Fleischfressende Pflanzen: der private kleine Horrorladen

Wer kennt nicht die Geschichte von Seymour Krelborn, der eine kleine fleischfressende Pflanze mit seinem Blut hochpeppelt und durch sie berühmt wird. Als sich die Pflanze allerdings mit Blut nicht mehr zufrieden gibt, sondern genüsslich Menschen zum Abendessen vertilgt, versucht er, dem Spuk ein Ende zu bereiten. Denn der einzige Grund, warum Audrey II, so nennt er die Pflanze, gefüttert werden möchte, ist die Weltherrschaft. Sollten Sie also auch die eine oder andere fleischfressende Pflanze bei sich zu Hause haben, freunden Sie sich nur nicht zu sehr mit ihr an. Hellhörig sollten Sie werden, wenn sie zu sprechen beginnt …

Fleischfressende Pflanzen - Sonnentau

© Wael Alreweie | Dreamstime.com (#103102175 – Drosera Capensis close-up view) Auch in Deutschland finden sich fleischfressende Pflanzen.

Nun aber mal Spaß beiseite. Von fleischfressenden Pflanzen gibt es weltweit 12 Familien, 19 Gattungen und über 800 Arten, wobei auch heute noch immer neue Arten entdeckt werden. Genannt werden sie in der Fachsprache Karnivoren, finden kann man sie quasi auf der ganzen Welt. Auch in Deutschland sind sie zu finden, hierzulande gibt es fünf Exemplare der fleischfressenden Pflanzen: den Sonnentau (Drosera), das Fettkraut (Pinguicula), den Wasserschlauch (Utricularia), die Wasserfalle (Aldrovanda) und die Schlauchpflanze (Saaracenia). Die Hauptvorkommen liegen in Naturschutzgebieten in Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und in Ostfriesland.

Fleischfressende Pflanzen: die Fallentypen

Nein, fleischfressende Pflanzen haben keine „Mäuler“, mit denen sie Insekten fangen, wenngleich es Exemplare gibt, deren Falle tatsächlich so aussieht. Auch fangen die Pflanzen ihre Nahrung nicht, sie sorgen dafür, dass diese zu ihnen kommt. So unterschiedlich die Pflanzen, so unterschiedlich sind auch die Fallentypen:

  • Klappfallen: Sie ist der wohl bekannteste Fallentyp, allerdings auch eine der seltensten, weil sie nur bei zwei Arten vorkommt, und zwar bei der Venusfliegenfalle und der Wasserfalle. Hierbei liegen sich zwei Blatthälften gegenüber und sind an der Innenseite mit feinen Härchen ausgestattet. Fliegt nun ein Insekt hinein und berührt diese Härchen, schließen sich die Blatthälfte, sodass die Beute nicht mehr raus kann. Anschließend werden Sekrete von der Pflanze abgesondert, die für die Verdauung zuständig sind.
  • Klebefallen: Diese sind wohl am weitesten verbreitet und werden unter anderem von Sonnentau und Fettkraut genutzt. Die fleischfressende Pflanze sondert ein klebriges Sekret ab. Dieses duftet süß, lockt so Insekten an, die schließlich daran klebenbleiben. Durch das Freisetzen von Enzymen werden die Insekten schließlich verdaut.
  • Saugfallen: Um damit Insekten zu fangen, muss die Pflanze unter Wasser leben. Die einzige fleischfressende Pflanze, die dafür in Frage kommt, ist der Wasserschlauch. Er baut in der Falle einen Unterdruck auf, der bei Berührung die Beute in sich hineinsaugen kann.
  • Reusenfallen: Eine Art Trichter lockt Insekten mit duftenden Sekreten an. Sind diese im Innern, können Sie aufgrund von Sperrhaaren nicht mehr nach draußen gelangen und werden durch das Freisetzen von Enzymen verdaut. Dazu gehören alle 21 Arten der Gattung Reusenfallen und auch die Papageien-Schlauchpflanze.
  • Fallgrubenfallen: Blätter bilden einen Hohlraum, der mit glatten Wänden versehen ist. Gerät ein Insekt ins Innere, kann es sich nicht mehr befreien und wird ebenfalls durch Enzyme verdaut.

Fleischfressende Pflanzen: die bekanntesten Arten

Von den mehr als 800 Arten fleischfressender Pflanzen sind manche bekannter, manche weniger bekannt. Viele der Pflanzen erkennt man aber oftmals gar nicht als solche. Wollen wir uns doch die bekanntesten Arten mal etwas genauer ansehen:

  • Venusfliegenfalle: Sie gehört zu den Sonnentaugewächsen und fängt Ihre Beute mithilfe von einklappbaren Blättern. In der freien Natur kommt sie ausschließlich in Florida und in Nord und Süd Carolina vor. Hierzulande findet man diese Art häufig in Pflanzenfachgeschäften für die Wohnung.
  • Kobralilie: Den Namen hat sie aufgrund ihres Erscheinungsbildes, das durchaus an eine aufgerichtete Kobra erinnert. Sie kommt vor allen in Bergen in einer Höhe von bis zu 2.500 Metern vor und das in Kalifornien und Oregon.
  • Kannenpflanzen: 130 Arten gibt es von dieser Gattung und wenn man sie mit anderen fleischfressenden Pflanzen vergleicht, gehören Sie mit zu den schönsten überhaupt. Sie wachsen vor allem in Südostasien, hier vor allem in Sumatra, Borneo, Sulawesi und auf den Philippinen. Aber auch in Indien, auf den Seychellen, auf Madagaskar, in Neukaledonien und in Australien sind sie beheimatet. Das Besondere dieser Pflanzen sind die hängenden Kannen, die ein regelrechter Blickfang sind.
  • Fettkraut: Die rund 100 Arten kommen in vielen Bereichen der Erde vor. So ist das Fettkraut in Zentralamerika, Mexiko oder der Karibik ebenso zuhause, wie in Europa. Wie oben schon erwähnt, wächst diese fleischfressende Pflanze auch in Deutschland. Sie ist allerdings recht unscheinbar, bildet aber tolle Blüten aus. Für die Wohnung ist dies Pflanze besonders geeignet, wenn Sie ein Problem mit Fruchtfliegen oder Trauermücken haben, denn diese werden von den Blättern angezogen und bleiben darauf kleben.
  • Schlauchpflanze: Ein langer Schlauch, der senkrecht nach oben gerichtet ist, bildet den Hauptbestandteil dieser Pflanze. Der Schlauch ist oben offen, wodurch Insekten in das Innere gelangen können.
  • Sonnentau: Diese Pflanzen mit ihren filigranen Tentakeln, an denen sich kleine Tropfen befinden, sind nicht nur bei Insekten der Renner. Optisch sehen die Fleischfresser, die es nahezu auf der ganzen Welt gibt, sehr hübsch aus. Die Fangmethode mancher Sonnentau-Pflanzen ist einzigartig: Sie rollen sich bei Berührung ein und umschließen das Insekt, bevor es verdaut werden kann.

Weitere Gattungen sind die Wasserfalle, die Regenbogenpflanze, der Zwergkrug, das Taublatt, die Reusenfalle, der Sumpfkrug und das Hakenblatt.

Fleischfressende Pflanzen für Zuhause

Mit Sicherheit werden Sie immer wieder mal fleischfressende Pflanzen beim Blumenhändler oder im Gartenmarkt sehen. Vielleicht hatten Sie ja auch schon mal die Idee, sich welche nach Hause zu holen. Die Pflege solcher Pflanzen ist allerdings nicht ganz leicht, einfach mal so in den Blumentopf und ab aufs Fensterbrett ist nicht.

Fleischfressende Pflanzen Venusfliegenfalle

© Andrey Kalmykov | Dreamstime.com (#136517213 – Venus Flower Flycatcher) Fleischfressende Pflanzen können auch in den eigenen vier Wänden gehalten werden, sind allerdings nicht leicht in der Pflege zu handhaben.

Das Wichtigste: Fleischfressende Pflanzen brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit, manche sogar bis zu 100 Prozent. Das erreicht man natürlich nicht mit einem gewöhnlichen Topf, sondern nur in einem Terrarium oder in einem Mini-Gewächshaus. Einzig die Venusfliegenfalle und der Sonnentau kommen auch mit einer niedrigeren Luftfeuchtigkeit aus, die aber nicht unter 50 Prozent fallen sollte. Nun ist es aber auch so, dass nicht jede fleischfressende Pflanze in einem geschlossenen Terrarium gedeihen kann, weil diese, wie etwa die Wanzenpflanzen, Luftzirkulation brauchen. Abhilfe kann hier beispielsweise ein Nebler schaffen, der Wasser in feinen Nebel verwandelt und so die Luftfeuchtigkeit, vor allem in der Nähe der Pflanze, deutlich erhöht. Auch ein mit Blähton und Wasser gefülltes Gefäß, in der die eigentliche Pflanze steht, schraubt die Luftfeuchtigkeit nach oben.

Die Pflege fleischfressender Pflanzen

Wenn Sie es dennoch einfach mal ausprobieren möchten, fleischfressende Pflanzen zu halten, dann suchen Sie sich einen hellen oder sonnigen Standort und stellen die Pflanzen dort in einem Mini-Gewächshaus oder Terrarium auf. Der Bedarf an Licht ist allerdings von Art zu Art unterschiedlich:

  • Viel Licht, sehr viel Sonne: Taublatt, Wanzenpflanze
  • Viel Licht, viel Sonne: Schlauchpflanze, Venusfliegenfalle, Sumpfkrug, Regenbogenpflanze
  • Tageslicht, Sonne: Kobralilie, Zwergkrug, Sonnentau
  • Tageslicht, mäßige Sonne: Reusenfallen, Hochland Nepenthes, Wasserfalle, Zwerg-Sonnentau, Fettkraut
  • Tageslicht, Halbschatten: Tiefland Nepenthes, Queensland-Sonnentau, Fettkraut

Gepflanzt werden die Karnivoren in nährstoffarmer Erde, wie etwa in Azaleenerde. Auch spezielle Erde für fleischfressende Pflanzen wird im Fachhandel angeboten. An Pflege brauchen die Fleischfresser nur kalkfreies Wasser, die Erde sollte leicht feucht sein, Staunässe ist zu vermeiden. Gedüngt werden die Pflanzen nicht, denn das schadet ihnen. Sie beziehen ihre Nährstoffe ausschließlich aus ihrer Nahrung, den Insekten. Überwintern können die Fleischfresser bei rund 10 Grad an einem hellen Standort mit wenigen Wassergaben.

Womit wir schon bei der Frage sind: Müssen fleischfressende Pflanzen gefüttert werden? Klare und deutliche Antwort: Nein! In der Wohnung leben zahlreiche Fluginsekten, wie etwa Fliegen, Trauermücken oder Fruchtfliegen, die irgendwann durch die Duftstoffe angelockt werden. Karnivoren sind dabei sehr genügsam, sodass eine Fütterung nicht nötig ist, manchmal sogar schädlich. Denn beispielsweise die Venusfliegenfalle verwendet ihre Fangblätter nur maximal fünfmal und stirbt dann ab. Allerdings steht nichts dagegen, auch mal eine Fliege zu fangen und der Pflanze zu geben, um den Fangeffekt näher zu beobachten. Übrigens: Die Reste von verdauten Insekten sollten Sie nicht entfernen, auch wenn es womöglich unschön aussieht. Durch das Entfernen könnten Sie zum einen die Pflanzen schädigen, zum anderen den Fallenmechanismus erneut auslösen, wodurch die Fallen schließlich absterben können.

Fazit: Karnivoren sind Liebhaberpflanzen, die gewisse Grundbedürfnisse brauchen, um gedeihen zu können. Wenn Sie diese bekommen, sind sie relativ einfach zu halten. Wer diese nicht erfüllen kann, sollte auf fleischfressende Pflanzen verzichten.

nach oben »